Sonntag, 13. Februar 2011

Zum 85. Geburtstag von Friedrich Cerha - Teil 1

Uraufführung von "Netzwerk" am 31. Mai 1981 im Rahmen der Wiener Festwochen im Theater an der Wien.


Programmzettel - Programm-Cover - Eintrittskarte
31. Mai 1981, Sonntag, ca. 23.40h 

Ein fast heißer Sommertag gewesen. Leere Straßen, viele Touristen, die Wiener in den Bädern. Abends hatte ich "Tannhäuser" in Oper vorgesehen, mit Hans Beirer und Dirigent Thomas Sanderling. Nach dem ersten Aufzug stellte sich ernstlich die Frage: a) weiter einer langweiligen Tannhäuservorstellung beiwohnen oder b) ins Theater an der Wien wechseln und Uraufführung "Netzwerk" von Friedrich Cerha anschauen (Beginn erst um 20.00h). Die Münze, die ich mir werfen ließ, verwies mich ins Theater an der Wien. Und während man sich in der Oper weiter dem "Tannhäuser" widmete war b) ein Erlebnis. 
Ich stehe vor der Schwierigkeit eine Vielzahl von wechselnden Szenen in Worte fassen zu müssen, belebt von Menschengruppen, auch von Einzelpersonen, mit seltsamen Lichteffekten und unter der starker Ausnutzung der Bühnentechnik (deren hydraulische Hebe- und Drehgeräusche sich manchmal mit dem Orchesterklang mischten). Es war ein Zusammenwirken von Musik, Bewegung auf der Bühne, rhythmisch, balettähnlich manchmal, und Bühnenbild. Die Menschheit als Ganzes, wie sie sich ordnet in Gesellschaften, soziale Systeme, und wie sie diese selbst umordnet, und dann von diesen Umordnungen wieder geordnet wird. Die Frage der Menscheit nach dem Sein - und sie findet immer nur sich selbst. Macht - Hierarchie - Spiel der Massen - in manchen Szenen und durch die eigens konstruierte Sprache an Canettis "Komödie der Eitelkeit" erinnernd. 

Nachher viele Buhrufe, denen ich, gewiß gut hörbar, mit "Bravo" entgegentrat. Und letztlich nach Verstummen der Ablehner viel Bravo und ungestörter Applaus. Dauer etwa zwei Stunden. Wurde auch für das Fernsehen aufgezeichnet.


0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen