Mittwoch, 1. September 2010

Eine Frage des Stils ...

In einem Interview in der BÜHNE, Ausgabe 9/2010, Seite 31ff, bekennt sich der neue Staatsoperndirektor zu einem eher behutsamen Umgang mit den älteren Produktionen am Haus und meint, man können auch einen Weg suchen, „um diese alten Inszenierungen wieder frisch zu machen.“ Überhaupt bekennt er sich, was Inszenierungsstile betrifft, zur Vielfalt – Zitat: „Ich finde, dieses Haus soll international und offen für verschiedene Theaterformen sein.“

Interessant ist, dass er in diesem Zusammenhang auch den Begriff „deutsches Regietheater“ verwendet und damit signalisiert, dass dieser sehr wohl zur Beschreibung eines bestimmten, zeitgenössischen Regiestils taugt. Sein Vorgänger hat bekanntlich öfters gegen den Begriff des „Regietheaters“ an sich polemisiert.

Meyer spricht sich auch für Koproduktionen aus, vor allem für Werke, die nicht unbedingt repertoiretauglich sind. Wenn er dann allerdings gerade die „Traviata“ erwähnt – Zitat:  „Die Zeit, in der jedes Haus seine eigene Traviata oder seinen eigenen Tristan hatte, ist vorbei.“ – dann scheint er diesen Trend doch etwas weiter zu fassen.

Das Kinderopernzelt auf der Terrasse bleibt den Wiener Opernbesuchern auf unbestimmte Zeit erhalten.  Der Eiserne Vorhang wird weiter als Ausstellungsfläche genützt. Allerdings kümmert sich jetzt Meyer persönlich um die Auswahl der Künstler, ohne „Kommission“.  Er möchte aber dafür sorgen, dass der originale Vorhang für einen Teil der Spielzeit zu sehen sein wird. Außerdem scheint ihm das Ballett besonders am Herzen zu liegen: Er möchte, dass Wien in Zukunft eine der wichtigsten Kompanien der Welt beherbergt.

Meyer hat offenbar recht klare Vorstellungen von dem, was er erreichen möchte, aber er betont mehrmals, schrittweise vorgehen zu wollen.

Wenn man eine erste Einschätzung des persönlichen Stils der neuen Direktion bekommen möchte, dann könnte man zum Beispiel auch einen Blick auf die Staatsopern-Programmfolder von Juni 2010 und September 2010 werfen, um die grafische Gestaltung zu vergleichen: 


(Bild: operinwien.at)

Moderne Farbgebung wird durch Elfenbeinweiß und zartes Gold ersetzt. Das Gebäude als goldene Silhouette wird sich selbst zum Logo. Eine Serifenschrift verstärkt den seriösen Eindruck, und im Folder sind die Wochentage wieder mit großen Anfangsbuchstaben geschrieben. Fazit: Es scheint Wert auf eine ausgewogene Gesamtgestaltung gelegt zu werden und auf einen geschmackvollen Stil.

0 Kommentare:

Kommentar veröffentlichen