“Ich stehe voll zu der Inszenierung von Claus Guth. Ich habe hier Oper für Leute gemacht, die ein Stück noch nie gesehen haben und nicht für die, die alles schon kennen.“
Diese Bemerkung des Staatsoperndirektors i. R. wirft Rätsel auf – mindestens so viele wie die seltsame „Verschnitzlerung“ von Wagners „Tannhäuser“ durch Claus Guth. Was jemand, der von „Tannhäuser“ keine Ahnung hat, mit dieser eigenartigen Produktion anfangen soll, ist mir ein Rätsel. Den ersten Aufzug durchschlafen, im zweiten feststellen, dass einem das Bühnenbild vom Gang durchs Pausenfoyer bekannt vorkommt, und sich nach dem dritten aus lauter Frustration über die depressiven Typen auf der Bühne von der Opernterrasse stürzen?
Auch solche Aussagen wie: “Ich habe das Repertoire - abgesehen von der Zeit, in der noch dauernd neue Stücke kamen, verbreitert wie noch kein Direktor davor. Es gab hier früher immer denselben Käse, (…)“ tätigt Holender wohl lieber gegenüber der deutschen Presse, die hierzulande weniger gelesen wird.
Nimmt man frühere Direktionen als Beispiel, dann stimmt Holenders Einschätzung nicht. Der Spielplan war global betrachtet unter früheren Direktionen nicht minder reichhaltig und es gab genauso interessante Raritäten wie zu seiner Amtszeit. Allerdings – diese Direktionszeiten dauerten oft erheblich kürzer. Ein Direktor, der nur vier Jahre im Amt ist, kann schwerlich das Repertoire in einem Maße „verbreitern“, wie ein Direktor, der 18 oder 19 Jahre dafür Zeit hat.
Im Übrigen, bei dem geringen Bestand an Stücken, der das Opernrepertoire heute ausmacht, gibt es doch – wenn man Holenders Ausdrucksweise bemühen darf – eigentlich nur „Käse“.
Die Zitate stammen aus einem ausführlichen Interview in der Frankfurter Rundschau vom 7. 7. 2010
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